Wie kommt man als niederländischer Student zum Praktikum nach Berlin TXL? Wie trainiert man ein System, Drohnenaufnahmen zu anonymisieren? Und was hat Jesse Fasen am meisten überrascht in seiner Zeit im Team Smart Cities & FUTR HUB?
Jesse Fasen studiert angewandte Geoinformatik an der HAS University in ’s-Hertogenbosch in den Niederlanden. Der Bachelor-Studiengang konzentriert sich auf Geoinformationssysteme (GIS) und deckt eine Reihe von Themen wie Geografie, Datenanalyse und Visualisierung ab. Für sein Auslandspraktikum kam er nach Berlin TXL, ins Team Smart Cities & FUTR HUB.
Wie hast du von Berlin TXL erfahren? Wie kamst du auf uns?
Die Suche nach einem Praktikumsplatz im Ausland kann schwierig sein, wenn die Optionen potenziell überall auf der Welt liegen! Glücklicherweise habe ich herausgefunden, dass meine Nachbarin aus meiner Heimatstadt früher hier gearbeitet hat: Ich habe sie gefragt, ob das Praktikum gut zu meinem Studium passen würde, und sie hat mir geholfen, Kontakt zum Team aufzunehmen.
Ich war sehr an Berlin TXL interessiert, weil es wirklich keinen vergleichbaren Ort gibt. Es schien mir schon aus der Ferne ein inspirierendes Projekt zu sein, das auch einen Bezug zu dem hatte, womit ich mich an meiner Universität beschäftige. Ich finde es toll, dass ich jetzt ein Teil davon sein darf.
Woran genau arbeitest du hier bei Berlin TXL?
Ich arbeite im Team „Smart Cities & FUTR HUB“. Im Rahmen meines Praktikumsprojekts entwickle ich zwei Objekterkennungsmodelle, mit denen sich Objekte auf Fotos und Drohnenaufnahmen automatisch erkennen und unkenntlich machen lassen.
Warum sollte ein Modell z.B. Personen oder Autos auf Drohnenaufnahmen erkennen können?
Alle paar Wochen werden Luftaufnahmen des Berlin-TXL-Geländes mit Drohnen gemacht. Diese Fotos zeigen das gesamte Gebiet aus der Vogelperspektive und können für verschiedene Zwecke genutzt werden, beispielsweise um den Fortschritt und Veränderungen im Projekt zu verfolgen. Wir möchten diese Bilder als Open Data öffentlich zugänglich machen, aber manchmal sind darauf Personen oder persönliche Gegenstände zu sehen. Deshalb habe ich an der Entwicklung eines Objekterkennungssystems gearbeitet, das Personen und Autos in neu aufgenommenen Drohnenfotos erkennen und automatisch unkenntlich machen kann. Auf diese Weise können wir Datenschutzrisiken vermeiden.
Ich habe diese Erkennungsmodelle in ArcGIS Pro erstelltIch habe frühere Drohnenaufnahmen verwendet, um dem System beizubringen, wie Autos und Menschen aus der Vogelperspektive aussehen. Anhand dieser Beispiele erkennt es sie auch in neuen Fotos. Ein Programm verwischt dann automatisch die Bereiche, die das Modell gefunden hat, sodass auf den Fotos niemand erkennbar ist.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?
Meistens beginnt mein Morgen um 9 Uhr mit einer Teambesprechung, bei der wir den aktuellen Stand unserer Arbeit besprechen und planen, woran wir als Nächstes arbeiten werden. Vormittags arbeite ich am Training des Modells und lasse es laufen – was eine Weile dauert –, während ich mit meinen Kollegen zu Mittag esse. Nach dem Mittagessen kann ich die Ergebnisse analysieren und meine Erkenntnisse aufschreiben. Ab und an gibt es auch besondere Aufgaben auf dem ehemaligen Flughafengelände. Dazu gehört beispielsweise, mit einem 3D-Scanner einen digitalen Scan eines der Gebäude zu erstellen oder mit dem Fahrrad über die ehemaligen Start- und Landebahnen zu fahren, um die genauen Standorte von Sandhügeln auf der Baustelle zu vermessen.
Was hat dich während deiner Zeit hier überrascht?
Ich hätte wirklich nicht erwartet, bei einem Bürojob den Umgang mit einer Schleifmaschine zu lernen! Anlässlich des Earth Days organisierte Berlin TXL einen Nachhaltigkeitstag, an dem Teams verschiedene Aufgaben rund um das Thema Nachhaltigkeit erledigten. Meine Aufgabe war es, die Holztische im Außenbereich abzuschleifen, damit sie wieder schön aussehen. Das lief anfangs nicht so gut … aber nach ein bisschen Übung haben wir gute Arbeit geleistet.
Was ist eine Sache, die du den Menschen zuhause über Berlin TXL erzählen wirst?
Ich finde, das Interessanteste ist die Lage und die Zukunft dieses Projekts. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, das Flughafengelände mit dem Fahrrad zu erkunden, auf einer Start- und Landebahn zu laufen, durch das geschlossene Flughafengebäude zu schlendern und zu sehen, dass manche Dinge wie die Flughafenschilder und die Infrastruktur für die Gepäckabfertigung noch vorhanden sind. Und zu wissen, was dort alles entstehen wird, macht mich neugierig darauf, wiederzukommen und zu sehen, wie sehr sich alles verändert hat.
Ich finde das Projekt sehr inspirierend. Wenn man sich die Stadt der Zukunft vorstellt, erscheinen viele Ideen oft unmöglich, aber hier sehe ich, dass diese Ideen nicht als unmöglich abgetan werden, sondern aktiv daran gearbeitet wird.
Was würdest du anderen Studierenden raten, die auf der Suche nach einem Auslandspraktikum sind?
Es ist gut, eine grobe Vorstellung oder ein paar Optionen für Orte zu haben, an denen man gerne leben möchte. Sich an dem Ort, an den man zieht, wohlzufühlen, ist genauso wichtig – oder vielleicht sogar noch wichtiger – als einen schönen Arbeitsplatz zu haben. Es hilft auch dabei, die Suche nach einem Unternehmen einzugrenzen und zu fokussieren, wenn man sich auf eine bestimmte Region konzentriert. Ich empfehle Studierenden, jedes Unternehmen zu kontaktieren, das sie interessiert, auch wenn sie glauben, dass sie keine Chance auf ein Praktikum dort haben.
"Wenn man sich die Stadt der Zukunft vorstellt, erscheinen viele Ideen oft unmöglich, aber hier sehe ich, dass diese Ideen nicht als unmöglich abgetan werden, sondern aktiv daran gearbeitet wird."
Jesse Fasen
Praktikant im Team Smart Cities & FUTR HUB
Kurzversion des Interviews als Video
Und wie geht es jetzt für dich weiter?
Nach dem Sommer beginne ich das vierte und letzte Jahr meines Bachelorstudiums, und ich bin mir noch nicht sicher, was ich danach machen werde! Ich schaue mir gerade ein paar Masterstudiengänge an, aber vielleicht suche ich mir auch einfach einen Job, wenn ich fertig bin.
Zum Abschluss: Was war dein Lieblingsort hier in Berlin?
Das ist schwer zu sagen! Ich habe hier viele sehr schöne Orte gesehen. Ich finde, der Tiergarten ist eine der schönsten Locations und ideal, um der Stadt ein bisschen zu entfliehen. Auch die Museumsinsel finde ich sehr schön, und ich habe schon einige Sonnenuntergänge vom James-Simon-Park aus genossen. Ich bin sehr froh, dass mir eine Freundin das leckere Eis am Victoria-Luise-Platz gezeigt hat, und ich sitze gerne im Park an der Spree. Die Stadt steckt voller schöner Dinge, die man sehen und unternehmen kann.